Es gibt kaum ein gedrucktes Magazin, welches schon so lange und ausgiebig hinter die Vorhänge der elektronischen Musik schaut wie das Faze Magazin. Und nach wie vor am Markt ist, sich selbst treu bleibt und auch immer wieder neue Formate kreiert . Interviews, DJ Mixe, Charts und ein Blick über den Tellerrand machen das FAZE und die Online-Präsenzen für viele zu einem wegweisenden Magazin.

Zur 100. Ausgabe haben wir mit FAZEmag Chefredakteur Tassilo gesprochen und über die aktuelle Corona Krise, Carl Cox und natürlich Techno gesprochen.

Glückwunsch – 100 Ausgaben FAZEmag – wie habt ihr es überhaupt in Anbetracht der Covid-19-Situation geschafft, die aktuelle Ausgabe zu stemmen?

Es stand eigentlich nie zur Debatte, dass wir das nicht stemmen. Das fing ja schon mit der Aprilausgabe an, dass uns Themen und Kunden wegbrachen. Das war und ist auch sehr hart, aber wir sind kreativ und suchen nach neuen Partnern.

Kleiner Rückblick – Welches Ziel hattet ihr damals, als ihr mit dem FAZEmag an den Start gegangen seid?

Ein Magazin zu schaffen, dass musikalisch im Bereich der elektronischen Musik sehr offen ist und auch online sehr präsent ist. Das ist auch heutzutage unsere Stärke, dass wir eben beide Bereiche gut abdecken.

Zum Jubiläum habt ihr für den obligatorischen Magazin Mix diese Mal von der lebenden Legende Carl Cox an Bord – wie kam es dazu?

Wir hatten uns im Vorfeld ein paar Kandidaten und Kandidatinnen überlegt und es war dann aber sehr schnell klar, dass es Carl wird, der auch innerhalb der Redaktion großes Ansehen genießt. Und wenn man dann mit der 100. Ausgabe argumentiert, kann mal als Künstler auch schwer absagen. 😉

Auf der ersten Ausgabe des FAZEmags war Ricardo Villalobos auf dem Cover – viele weitere Artists und Akteure folgten. Welche Coverstory ist dir bis heute am meisten in Erinnerung geblieben und warum?

Das ist wirklich sehr schwierig – und auch gemein –, da ein Cover herauszustellen. Natürlich hat man persönlich auch einen größeren Bezug zu Coverstorys, die man selbst geschrieben hat, aber dennoch kaum zu beantworten.

Im Laufe der Jahre hattet ihr so manch spannende Kolumne, die nicht nur jungen Artists wegweisende Tipps gegeben haben. Von Rainers (Kling Klong) Ratgeber bis hin zu Tom Novys Welt. Welchen allgemeinen Ratschlag würdest du aufstrebenden Künstlern und jungen Labels mit auf den Weg geben?

Nicht aufgeben, sich selbst treu bleiben, unsere Kolumnen lesen, auf die Alten hören, auf sich selbst, auch den Jungen zuhören, offen sein, lernen wollen, mit dem Herz dabei sein.

Techno, House, EDM und manchmal auch ein wenig Electro Pop – wo zieht ihr die Grenze bei Musik und Genres, um euch als Magazin treu zu bleiben

Die Grenzen nicht zu eng ziehen. Elektronische Musik ist so vielfältig und abwechslungsreich und wir versuchen so viel wie möglich davon abzubilden – auch wenn wir natürlich einen Schwerpunkt bei Techno haben.

Neben Interviews, Features und News sind auch die DJ-Charts eine wahre Institution des Magazins. Welchen Alltime-Favourit-Track hättest du ganz oben in deinen Charts?

Auch hier fällt es mir schwer, mich für einen Track zu entscheiden, das ist auch immer eine bisschen Stimmungssache. Daher meine Top 10, wie sie auch in der 100. Ausgabe stehen. Die Reihenfolge ist hier eher zufällig.

  1. DJ Rolando aka The Aztec Mystic – Jaguar (Underground Resistance)
  2. Energy 52 – Cafe‘ Del Mar/DJ Kid Paul Mix (Eye Q Records)
  3. Theo Parrish ‎- Falling Up/Carl Craig Remix (Third Ear Recordings)
  4. Pachanga Boys – Time (Hippie Dance)
  5. Kölsch – All That Matters (Kompakt Exklusiv)
  6. Adamski – Killer (MCA)
  7. A Guy Called Gerald – Voodoo Ray (Rham!)
  8. DJ Koze – Brutalge Square (Kompakt)
  9. Daft Punk – Da Funk (Soma)
  10. Âme – Rej (Innervisions)

Im Laufe der Jahre sind viele Magazine rund um elektronische Musik ganz oder zumindest in ihrer Printform verschwunden. De:Bug und Groove als auch die regionalen Ausgaben von Subculture und das Partysan Magazin sind nur einige davon. Wie seht ihr eure Zukunft?

Wie schon oben erwähnt, ich sehe uns gut aufgestellt mit unserem monatlichen Magazin (Print & Digital), Online (Website & Social Media) – und demnächst wieder mit FAZE TV. Eine gute Mischung, die viel Abwechslung zulässt und viel Publikum erreicht. 

Aber ob es noch ein gedrucktes Magazin geben wird, wenn wir hier zur 200. Ausgabe wieder ein Interview machen? Ich wünsche es mir und ich glaube es auch!

Glaubt man den Prognosen, werden einige Clubs wohl nicht wieder öffnen können. Was glaubst du, wie die Club- und Eventlandschaft in 2021 aussehen wird?

Ich glaube schon, dass wir dann wieder ordentliche Partys in Clubs und auf Festivals feiern können. Aber das Corona-Thema ist so komplex und komplett neu für uns alle, da fällt es mir schwer, Prognosen abzugeben. Ich hoffe nur, dass Politik und Gesellschaft sich wirklich bewusst werden, wie wichtig für uns alle Kunst, Kultur und Musik ist und dass hier nicht eine ganze Branche zusammenbricht.

Und wie sehen die nächsten Monate für das FAZEmag aus und warum sollte man gerade jetzt ein Printabo unter www.fazemag.de/abo abschließen?

Jede Krise birgt auch neue Chancen. Wir sind angespannt, aber natürlich auch zuversichtlich. Wir arbeiten zurzeit an der kommenden Ausgabe und es ist natürlich schon komisch, dass gerade mitten im Sommer unser Eventbereich – wie auch in den letzten Monaten – so seltsam leer ist. Wobei es ja auch langsam wieder losgeht. Auch mit neuen kreativen Formaten. Da wären wir wieder bei ersten Satz dieser Antwort.

Warum gerade jetzt ein Printabo? Na, weil es höchste Zeit wird. Interviews, Charts, Stories, Events, Techniktests, Reviews und der Comic von Bringmann & Kopetzki – alles aus einer Hand in einem Heft gebündelt. Perfekt für Zugfahrten, Toilettengänge, einen Nachmittag auf der Parkbank oder sonntagsmorgens im Bett.

Und es macht auch wirklich Spaß, zwischendurch die alten Ausgaben nochmal durchzublättern, um zu sehen, was z. B. DJ XY damals zu diesem Thema gesagt hat. Da empfehle ich neben unserem Abo auch unsere Seite www.savefazemag.de, auf der man alle unsere Ausgaben auch einzeln bestellen kann, von der 001 mit Ricardo Villalobos auf dem Cover bis hin zur aktuellen Ausgabe.

Vielen Dank Tassilo und auf die nächsten 1000 Jahre Techno, FAZE und die Szene!