Aufgewachsen in Brasilien und mittlerweile in Barcelona lebend, steht kaum jemand für so temperamentvollen und eindringlichen Techno wie Fernanda Martins. Nicht nur, dass sie gleich zwei Labels erfolgreich führt, Devotion Records & AudioCode Records, nein Sie schaffte es auch in kurzer Zeit an die Speerspitze der Technoszene und legt mittlerweile in der ganzen Welt auf. Wir haben uns mit Fernanda Martins unterhalten, die auch in diesem Jahr wieder einige Mal in Deutschland zu sehen sein wird.

Wie hat für dich in der Techno-Szene alles angefangen? Wie war dein Einstieg?

Es war vor mehr als ca. 20/25 Jahren. Mein erster Kontakt mit elektronischer Musik fand in einem Musikgeschäft statt. Nach der Schule machte ich regelmäßig einen Abstecher in diesen Laden. Die Besitzer waren freundlich und ließen mich all die neuen Vinyls, K7-Tapes und die (super neuen) CDs hören, die im Laden ankamen. Und einmal fand ich ein K7-Tape mit einer Zusammenstellung verschiedener Küstler der elektronischen Musik. Es hat mir schlagartig gefallen. Ich fühlte mich neugierig und wollte unbedingt mehr über das Genre und die Künstler dahinter erfahren.

Vor allem am Anfang war es jedoch wirklich schwierig, Zugang zu dieser Art von Musik zu bekommen. Um ehrlich zu sein, ich komme aus einer sehr kleinen Stadt auf dem Land in Brasilien. Und vor etwa 20 oder 25 Jahren gab es in meiner Heimatstadt keine elektronische Musik, die im Radio gespielt wurde geschweige denn irgendeine Art von Musik-Event aus diesem Bereich. Aber einige Zeit später begann ich mehr im Internet zu suchen, das war ein großer Schritt nach vorn. Einige Jahre später um 1999 zog ich nach Curitiba, einer größeren Stadt. Die Szene dort befand sich gerade im Aufburch und ich besuchte alle Techno-Events, die ich besuchen konnte! Wirklich gute Zeiten waren das 🙂

Nachdem Du Dein Heimatland Brasilien mehr und mehr entdeckt hast, ging es für Dich als DJ bald schon um die ganze Welt. Du warst auch schon oft in Deutschland richtig?

Ja! Viele Male! Mein erster Auftritt in Europa war 2007 in Berlin im ehemaligen Maria am Ostbahnhof. Natürlich habe ich eine große ¨to do list¨ für Shows in Deutschland, aber ich habe bereits in vielen Städten im ganzen Land gespielt.

Was gefällt dir in Deutschland am besten? Und wie unterscheiden sich die Events von denen in Südamerika?

Bei meinen ersten Besuchen auf Partys in Deutschland war es für mich gefühlt alles so anders….. Wenn man die Art und Weise vergleicht, wie deutsche Leute mit Menschen aus Südamerika feiern, wird man natürlich Unterschiede sehen. In Südamerika sind die Menschen im Allgemeinen wortwörtlich ein wenig lauter und sehr leidenschaftlich. Oder sagen wir mal sie sind einfach nur sichtbar ¨lauter¨ und leidenschaftlich. Denn nach so vielen Gigs in Deutschland weiß ich wirklich, wie hart und lange man hier feiern kann. Das ist schonj sehr beedinruckend. Und ich liebe es, wie sie hier Party machen!

Manchmal höre ich noch einige meiner Kollegen sagen, ¨Wenn Ich in Deutschland spiele, hoffe ich dass sie genauso verrückt abgehen wie in Brasilien oder Spanien¨…… Nun, vielleicht sollten sie es sich hier nur etwas genauer ansehen. Oder nur ich bin es, die hier auf die verrücktesten Partys geht! 😛

Du hast in Berlin zum Beispiel auch in „Alte Münze“ und „Tresor“ gespielt. Hast du irgendwelche Lieblingsplätze, um ein wenig runter zu kommen oder dich während deines Aufenthaltes inspirieren zu lassen?

Runterkommen? In Berlin? Das dürfte schwierig werden. Hand aufs Herz, ich liebe die Stadt und jedes Mal, wenn ich etwas mehr Zeit habe, gehe ich viel zu Fuß. Dadruch entecke ich immer wieder spannende Ort. Ich gehe gerne vom Tiergarten zu ¨Insel der Museen¨, zur Eastside Gallery und besuche einige kleine Geschäfte. Vor allem liebe ich das vegane und vegetarische Angebot der Stadt! Das ist der wirklich gut!

Könntest du uns etwas über die Labels erzählen, die du bereits veröffentlicht hast?

Für Loose zum Beispiel habe ich einen Remix für Steve Shaden gemacht, mit dem ich mich gut verstehe. Sicherlich ist die Art des Techno der Loose Plattenveröffentlichungen nicht die Art von Techno, mit der ich wirklich arbeite. Aber manchmal ist es schön, ein wenig aus der Komfortzone herauszugehen. Es war super cool, mit Loose etwas zu machen. Sie waren mit dem Endergebnis zufrieden, und ich auch.

Bei Devotion ist es eher meine Komfortzone! Mein letztes Release darauf war auch ein Remix für einen Track der Französin Victoria.52 mit dem Titel ¨Lost in Detroit¨.

Außerdem habe ich in den letzten zwei Jahren einige Sachen gemacht, die man unter dem Alias ¨Dot Chandler¨ finden kann, die in weiteren ¨groovy¨ Labels wie Renesanz oder Addeepted veröffentlicht wurden.

Was kommt als nächstes für Fernanda in den kommenden Monaten?

2019 begann alles mit voller Kraft und es scheint, dass es so weitergehen wird. Ich habe bereits Gigs bis Ende des Jahres bestätigt. Ich werde Länder wie Frankreich, Spanien, Portugal, Kroatien, Tschechien, Italien und Ungarn besuchen….. Deutschland natürlich auch mehrere Male! Auch in diesem Jahr werde ich Südamerika wieder besuchen. Und schließlich werde ich meine ersten Gigs in Asien haben. Ich bin schon super aufgeregt!

Und last but not least – welches Getränk bevorzugst du, wenn du im Club spielst?

Bier und Mineralwasser. Immer schön langsam.

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