Seit 1991 im Takt der Stadt: 35 Jahre Tresor

Als der Tresor 1991 in den Kellerräumen eines ehemaligen Kaufhauses nahe dem Potsdamer Platz eröffnete, war Berlin im Umbruch. Zwischen Mauerfall und Leerstand entstand ein Ort, der die Geschichte des Techno entscheidend mitprägen sollte. 35 Jahre später ist der Tresor nicht nur ein Club, sondern ein kultureller Referenzpunkt mit internationaler Strahlkraft.

Von Beginn an setzte der Tresor auf eine klare musikalische Haltung. Der Fokus lag auf kompromisslosem Techno, stark beeinflusst von der Detroiter Szene. Künstler wie Jeff Mills, Juan Atkins oder Robert Hood wurden hier früh gefeiert und etablierten die bis heute spürbare Verbindung zwischen Berlin und Detroit. Der Club verstand sich nie als Trendbarometer, sondern als Plattform für eine eigenständige Ästhetik.

Nach der Schließung der ursprünglichen Location 2005 kehrte der Tresor 2007 im ehemaligen Heizkraftwerk in der Köpenicker Straße zurück. Trotz größerer Räume und neuer architektonischer Dimension blieb der Kern erhalten: rohe Atmosphäre, klarer Sound, lange Nächte.

Zum 35-jährigen Bestehen setzt der Club nun auf ein Programm, das diese Geschichte widerspiegelt. Mitte März 2026 öffnet der Tresor für ein ausgedehntes Jubiläumswochenende seine Türen, mehr als 30 Stunden am Stück soll gefeiert werden. Zusätzlich wird am Samstag auch das benachbarte OHM in das Geschehen eingebunden, sodass sich die Feier auf mehrere Floors verteilt.

Musikalisch schlägt das Line-up eine Brücke zwischen Generationen und Szenen. Mit Fumiya Tanaka, Blake Baxter und Daniel Bell stehen Künstler auf dem Programm, die eng mit der Entwicklung des internationalen Techno verbunden sind. Ergänzt wird das Jubiläum durch mehrere Back-to-Back-Sets, unter anderem von Helena Hauff und Imogen, Mareena und Kerrie sowie James Ruskin und Lee Gamble. Auch Live-Acts sind angekündigt: Function, Sarah Sommers und UFO95 sollen dem Wochenende zusätzliche klangliche Facetten verleihen.

Das Jubiläum ist damit weniger nostalgische Rückschau als vielmehr eine konzentrierte Momentaufnahme dessen, wofür der Tresor seit 35 Jahren steht: kompromisslose elektronische Musik, internationale Vernetzung und eine programmatische Klarheit, die sich dem schnellen Wandel entzieht.

In einer Stadt, in der Clubkultur permanent unter wirtschaftlichem Druck steht, wirkt diese Kontinuität bemerkenswert. Der Tresor ist längst Teil des kulturellen Gedächtnisses Berlins, funktioniert jedoch weiterhin als aktiver Ort der Gegenwart. Das 35-jährige Bestehen markiert daher keinen Abschluss, sondern eine Zwischenbilanz und ein weiteres Kapitel in der Geschichte eines Clubs, der den Sound einer Stadt mitgeprägt hat.