Wer Techno sagt, muss zwangsläufig auch André Winter sagen. André interessierte sich schon früh für elektronische Musik und investierte in Hardware, um seine Vision von zukunftsweisendem Sound zu produzieren. Veröffentlichungen auf Confused Records, Superstition, Kompakt und Bush Records waren damals nur die Fahrtrichtung für eine mehr als spannende Laufbahn.

Nach Releases unter verschiedenen Alias- und Projektnamen, produzierte er auch Künstler wie Oliver Huntemann, oder auch Dubfire und schließlich Remixe von Künstlern wie den Chemical Brothers, Underworld, Anthony Rother und weiteren. Ende 2008 veröffentlichte er seine erste reine Solo-Veröffentlichung namens Trauma auf Ideal Audio. Der Rest ist wohl Geschichte: Weitere Produktionen für Oliver Huntemann folgten ebenso wie eigene wegweisende Releases.

Gigs um den ganzen Globus, wie im legendären Rex Club in Paris, Kasantip Festival, Sisyphos Berlin, Melbourne oder auch dem Amsterdam Dance Event, kamen dabei wie selbstverständlich. André Winter schafft es wie kein zweiter seine Liebe zu Techno auch in seinen Sets auszudrücken. Sein unverkennbarer Sound basiert auf stimmungsvollen, teils dunklen und immer wieder fesselnden Grooves und Strukturen. Wir haben mit André kurz nach seiner Rückkehr von seinem Gig auf dem Fusion Festival gesprochen.

1. Du lebst in Hamburg – wie unterscheidet sich die Szene an der Alster von Berlin? 

Da muss man neidlos anerkennen, dass Berlin da einiges mehr zu bieten hat. Wir haben zwar einige tolle Clubs, aber nicht diese Vielfalt, die man von Berlin gewohnt ist.

2. Als DJ und Künstler releast Du auf Labels wie SENSO oder auch NOIR. Womit arbeitest Du im Studio am liebsten?

Da ich immer an mehreren Projekten gleichzeitig arbeite, ist „total recall“ für mich sehr wichtig, ohne dass ich jedes Mal, wenn ich zwischen den Tracks switche, stundenlang Parameter ändern muss. Das ist der Grund, warum ich hauptsächlich am Rechner arbeite. Ich habe zwar auch einiges an Outboard, aber die Sachen nehme ich dann relativ schnell auf Harddisk auf. Von den Parametereinstellungen nehme ich dann ein Foto auf, falls ich später tatsächlich nochmal etwas ändern möchte. 

3. Du bist viel auf Tour und ebenso viel im Studio – wodurch schaffst Du Dir einen gesunden Ausgleich? 

Viel Platz für andere Freizeitaktivitäten bleibt leider nicht. Wenn ich abschalten möchte, koche ich ganz gerne, das hat für mich etwas Meditatives, das Putzen in der Küche danach allerdings nicht. 😉 

Ansonsten versuche ich immer wieder regelmäßig, etwas Sport zu machen, das macht auch gut den Kopf frei.

4. Du warst in diesem Jahr auch auf der Fusion, auf welcher Du ein 2-stündiges Set auf der Turmbühne gespielt hast. Was nimmst Du an Erinnerungen mit?

Die Fusion ist schon sehr besonders, und auf jeden Fall ein Highlight. Es ist beeindruckend, was dort alles gebaut wurde, und wie viel gute Musik dort läuft. Ich habe von 18-20 Uhr gespielt, bin aber bis zum nächsten Morgen geblieben, weil ich mir alles ansehen und mir ein paar andere Künstler anhören wollte. 

5. Das Wochenende danach ging es direkt weiter im Sisyphos in der Hammahalle. Was macht der Club für Dich aus?

Ich mag die Hammahalle im Sisyphos. Es ist laut, dunkel und rau, wie Techno sein sollte. Super Sound, und das Publikum ist großartig.

6. Techno ist nicht immer gleich Techno. Wie würdest Du Techno beschreiben, der Dich antreibt?

Techno war für mich immer eine Art Vision von der Musik aus der Zukunft. Deswegen finde ich, dass Techno sich auch stets weiterentwickeln muss, um zu überleben. Ich bin auch kein Freund davon, viele Tracks, die bereits ein paar Jahre oder Jahrzehnte alt sind, in das DJ-Set einzubauen, oder genauso zu produzieren, wie in den 90ern produziert wurde. Einflüsse sind absolut in Ordnung, das Kopieren einer vergangenen Ära dagegen nicht.

Deswegen motivieren mich häufig Tracks, bei denen ich mich frage, wow, wie haben die das denn gemacht? Das passiert halt nur, wenn ich etwas Neues entdecke.

7. Wo verbringst Du Deine Zeit in Berlin, wenn Du in der Stadt bist? Hast Du ein paar Lieblingsorte?

Dieses Mal hatte ich leider nicht viel Zeit in Berlin, da ich direkt weiter musste, in die nächste Stadt.

Normalerweise schaue aber immer gerne in Schneiders Laden vorbei, um zu schauen, was es an neuen elektronischen Instrumenten gibt, ansonsten die üblichen Orte, Kreuzberg, Boxi, etc…

8. Was geht noch bei André Winter in den nächsten Wochen und Monaten? 

Jetzt wurde gerade mein Remix für Samas Track „Pressure“ auf Noir Music veröffentlicht. In Kürze erscheint noch ein Track von mir auf der 5 Jahre Senso Sound Compilation, und ein Remix für Lilly Palmer. Eine neue EP von mir kommt auch zum Herbst heraus, und nebenbei steuere ich gerade ein paar Score-Themen für eine neue Netflix-Serie bei.

FUSION SET

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