Wer in der letzten Zeit noch das Glück hatte in der Griessmuehle zu feiern, ist sicher auf den Namen Diarmaid O Meara und Gobsmacked aufmerksam geworden. Seine Crew hat dort regelmäßig Partys veranstaltet: Mit mehrstündigen, bebenden Techno-Sets wurde hier die Crowd durch die Nacht getragen. Nach dem Aus für die Griessmuehle muss sich Diarmaid O Meara nach alternativen Locations für seine Veranstaltungsreihe umsehen. Nebenbei findet er aber noch Zeit im Studio und wartet gerade mit einer neuen Vinyl-Veröffentlichung auf. Grund genug, um nach langer Zeit mal wieder mit irischen Produzenten und DJ ins Gespräch zu kommen – über Gobsmacked, Gigs und gewaltigen Techno für winzige Dancefloors. 

Diarmaid, wir haben zuletzt vor ungefähr zwei Jahren miteinander gesprochen als du gerade 10-jähriges Jubiläum mit deinem Label Gobsmacked Records gefeiert hat. Was hat sich seitdem getan?

In den vergangenen Jahren ist viel passiert. Nachdem wir für fünf Jahre keine regelmäßigen Partys mehr unter dem Namen Gobsmacked veranstaltet haben, sind wir damit inzwischen wieder fest in der Berliner Clubszene verankert. Und wir haben noch eins draufgesetzt mit Neuveröffentlichungen und Veranstaltungen unter verschiedenen Alias gemeinsam mit zahlreichen Crews, mit denen wir eng zusammenarbeiten.

Erzähl uns ein bisschen mehr über deine neueste Veröffentlichung. Warum hast du gerade jetzt eine Vinyl-Scheibe herausgebracht?

In den nächsten Jahren werden wir eine neue Reihe an 12”-Platten in limitierter Auflage veröffentlichen. Darauf werden sich einige unserer älterer Tracks finden lassen, die zwar sehr gut von unserer Audience aufgenommen wurden, aber es bisher noch nicht auf Vinyl geschafft haben. Daneben gibt es aber auch jede Menge neuer Tracks. Das Design der Platten soll auch eine Sammleredition werden. Im Grunde stellen wir also Platten für Leute her, die uns schon seit einer ganzen Weile darum bitten. 😉

Wie würdest du den typischen Diarmaid O Meara-Sound beschreiben?

Es ist schwer, sich selbst in eine Schublade zu stecken und ich habe seit 2006 verschiedene Musik veröffentlicht – angefangen von Breakbeat bis hartem Techno über Ambient bis Experimentell. Was mit aktuell Spaß macht, ist das Produzieren von Musik, die ich komplett durch Hardware kreiert habe und über die zum Abschluss einen rohen Warehouse-Sound lege. Die Tempi der Tracks sind in der Regel 125-135 BPM. Bei meinen Sets bin ich am glücklichsten mit Drei-Turntable-Mashups mit einem Tempo von 130 bis 140 BPM gepaart mit einem zunehmenden Aufbau der Tracks und einigen Restarts. Ein dreistündiges Set umfasst dann meistens um die 100 Tracks. Aber jeder Gig ist anders und es ist entscheidend, dass du auf dein Publikum eingehst anstatt nur das aufzulegen, was du selbst hören willst.

Würdest du deine Zeit im Studio bereits als Routine bezeichnen oder gehst du immer auf unterschiedliche Weise heran?

Ich finde, dass jede Art von Routine im Studio nach einigen Monaten sehr ermüdend wird. Ich ändere ständig, wie ich meine Tracks produziere. So kommt es, dass ich Phasen habe, in denen ich nur Hardware nutze und übereinandergelegt in meinem DAW aufnehme. Andererseits kann es passieren, dass ich meine Tracks live aufnehme – auf einer Tonspur und in einem Take. Manchmal kehre ich auch zum Push 2 und Ableton zurück. Es wird leider immer schwieriger, Zeit für alle Aspekte zu finden: Veranstaltungen koordinieren, die Arbeit mit dem Musiklabel organisieren und nebenbei noch Musik produzieren. Aber ich versuche immer, mir ein paar Tage in der Woche zu blocken, um mich im Studio einzuschließen und mein Handy abzuschalten.

Das Artwork der Vinyl sticht heraus und bleibt sofort im Gedächtnis hängen. Warum hast du dich für so ein kühnes Design entschieden?

Vor fast 13 Jahren haben wir ein ähnliches Design für unsere Partys in Irland verwendet und dann beschlossen, es für unsere Veranstaltungsreihe in der Griessmuehle, die wir in den vergangenen Jahren dort hatten, wieder aufleben zu lassen. Für uns ist das aktuelle Design das perfekte Gegenstück zum monotonen, schwarzen, “too-cool-for-school”-Stil, den wir aktuell für Technoveranstaltungen in ganz Berlin und Europa sehen. Und das Wort “gobsmacked” ist eigentlich auch ein altes irisches Slangwort für “überrascht/schockiert sein”. Deswegen dachten wir, dass das Artwork sehr gut zum Namen und Konzept der Vinyl passt.

Griessmuehle ist ein gutes Stichwort. Seit unserem letzten Gespräch warst du sehr damit beschäftigt, in der Griessmuehle, aber auch in anderen Venues in Berlin wilde Partys zu organisieren. Du hast bereits angedeutet, dass ihr wieder fest in der Clubszene verankert seid, aber wie läuft es genau bei euch und was steht für 2020 an? 

Seit unserem Umzug nach Berlin haben wir ab und an mal Partys veranstaltet, aber nie im großen Stil. Allerdings haben wir in den vergangenen drei Jahren wieder dabei begonnen, große Techno-Partys zu schmeißen. Unsere Veranstaltungen zielen eher auf Warehouses, kleine Clubs und Bunker mit einer dunklen, schweißtreibenden Atmosphäre und intensiven Sound. Das Silo in der Griessmuehle war daher die perfekte Location für unser Konzept, aber leider wurde der Veranstaltungsort durch ein ausländisches Investmentunternehmen geschlossen, das nicht an der Berliner Clubkultur und elektronischen Musikszene sowie den Arbeitsplätzen, die dadurch geschaffen werden, interessiert ist. Aktuell haben wir drei Veranstaltungsorte, auf die wir uns im kommenden Jahr konzentrieren werden, aber derzeit ist es noch zu früh, um mehr darüber erzählen zu können. Einen kleinen Hinweis kann ich aber schon jetzt geben: Eine Venue davon ist völlig unbekannt und hat eine ähnliche Atmosphäre wie die Griessmuehle. Deshalb werden wir dort in diesem Jahr einige relativ geheime Veranstaltungen mit passender Besetzung und Extras organisieren.

Na dann bleibt uns nur zu sagen: Haltet die Augen offen für kommende Gobsmacked Events.

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